Unser Verhältnis zum Geld – eine weibliche Geschichte
- Andrea Schröder

- 16. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Dez. 2025

Viele Frauen spüren Unsicherheit beim Thema Geld. Ahnenarbeit zeigt, welche Muster aus der Familiengeschichte dabei wirken – und wie wir sie lösen können.
Wenn Geld plötzlich schwerer wird, als es sein müsste
Geld ist selten nur Geld. Für viele Frauen steckt dahinter eine ganze Welt an Gefühlen: Unsicherheit, Verantwortung, Pflicht, manchmal Scham – und sehr oft die Frage: „Darf ich mir das leisten?“
Besonders Frauen zwischen 50 und 80 erzählen mir immer wieder, dass finanzielle Entscheidungen ihnen schwerfallen, obwohl sie ihr Leben im Griff haben.
Woran liegt das?
Nicht selten schauen wir beim Thema Geld in einen Spiegel, der uns nicht nur zeigt, wer wir sind – sondern auch, woher wir kommen.
Geld war für unsere Ahninnen oft ein Überlebensthema
Viele Frauen in unserer Ahnenlinie hatten wenig Einfluss auf ihr eigenes Geld. Sie waren abhängig vom Einkommen eines Mannes, vom Erben, von guter oder schlechter Ernte, von Arbeit, die schlecht bezahlt oder nicht anerkannt wurde.
Geld bedeutete Sicherheit.
Geld bedeutete Überleben.
Geld bedeutete, die Kinder durchbringen zu können.
Diese existenziellen Erfahrungen haben sich tief eingeprägt – nicht nur in den Geschichten, sondern oft auch in den Emotionen der nachfolgenden Generationen. Wir spüren sie noch, ohne zu wissen, dass sie nicht zu uns gehören müssen.
Warum Frauen heute noch die Last der Vergangenheit fühlen
Viele Frauen sagen Sätze wie:
„Ich kann nicht gut mit Geld umgehen.“
„Ich brauche nicht viel, ich komme schon irgendwie klar.“
„Ich darf nicht zu viel verlangen.“
„Ich muss sparsam sein, für schlechte Zeiten.“
Wenn wir genauer hinschauen, sind das häufig keine eigenen Überzeugungen, sondern übernommene Muster. Sie stammen aus Zeiten, in denen Frauen tatsächlich wenig hatten, wenig fordern durften und immer Angst vor dem Verlust hatten.
Diese Muster wirken heute weiter:
im Zögern, sich etwas zu gönnen
in Unsicherheit bei finanziellen Entscheidungen
in der Sorge, abhängig zu werden
im Gefühl, „es nicht wert zu sein“
Das ist nichts „Falsches“ oder „Persönliches“. Es ist Herkunft.
Eine Geschichte, die viele Frauen kennen
Eine Klientin, Ende 60, erzählte, dass sie sich nie traute, Geld für sich selbst auszugeben. Sie kaufte für die Familie gerne ein, für die Enkel, für den Haushalt – aber nicht für sich.In der Ahnenarbeit zeigte sich: Mehrere ihre Ahninnen hatte den gesamten Krieg und die Nachkriegszeit damit verbracht, Essen zu organisieren, zu sparen, zu rationieren.
Jeder Groschen, der nicht überlebensnotwendig war, galt als „Gefahr“. Dieses Muster war unbewusst weitergegeben worden.
Als die Klientin verstanden hatte, woher ihr inneres Zögern kam und sie das Thema lösen durfte, konnte sie zum ersten Mal spüren:
„Es ist sicher, gut für mich zu sorgen. Ich darf haben. Ich darf wählen."
Das ist die Kraft der Ahnenarbeit: Sie bringt Licht in Muster, die uns ein Leben lang begleiten – ohne dass wir sie bewusst gewählt haben.
Geld ist auch ein Thema von Selbstwert
Wenn Frauen über Geld sprechen, sprechen sie selten nur über Zahlen.
Sie sprechen über Wert.
Über „verdienen“.
Über „dürfen“.
Unsere Ahninnen lebten oft in Systemen, die ihren Wert nicht anerkannten. Arbeit im Haushalt war selbstverständlich, unbezahlt und unsichtbar. Viele waren abhängig und haben diese Abhängigkeit als Normalität weitergegeben.
Heute leben wir anders.
Doch die alten Gefühle sitzen manchmal noch in uns.
Ahnenarbeit hilft, diese alten inneren Stimmen zu unterscheiden:
Was ist wirklich „meins“?
Und was stammt aus einer Zeit, in der Frauen nicht wählen konnten?
Herzlichst
Andrea



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